🕊️ 1. Gott und der Glaube

  • Der Glaube als persönliche Antwort auf Gott
  • Gott als Schöpfer und liebender Vater
  • Die Heilige Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist
  • Die Offenbarung Gottes in der Geschichte Israels und in Jesus Christus
  • Die Bibel als Wort Gottes – Aufbau, Hauptinhalte, Umgang damit

✝️ 2. Jesus Christus

  • Leben, Tod und Auferstehung Jesu
  • Die Menschwerdung: wahrer Gott und wahrer Mensch
  • Jesu Verkündigung vom Reich Gottes
  • Das Kreuz als Zeichen der Liebe und Erlösung
  • Die Auferstehung und das neue Leben in Christus
  • Christus als Mittelpunkt des Glaubens und der Kirche

⛪ 3. Die Kirche

  • Die Kirche als Volk Gottes, Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes
  • Ursprung, Auftrag und Struktur der Kirche
  • Der Papst, die Bischöfe, Priester, Diakone und das gemeinsame Priestertum aller Getauften
  • Die Gemeinschaft der Heiligen
  • Die Kirche als Sakrament des Heils für die Welt

💧 4. Die Sakramente

  • Was Sakramente sind: sichtbare Zeichen unsichtbarer Gnade
  • Die sieben Sakramente und ihre Bedeutung
    • Taufe: neues Leben aus Gott
    • Firmung: Stärkung im Heiligen Geist
    • Eucharistie: Gemeinschaft mit Christus
    • Buße/Beichte: Versöhnung und Vergebung
    • Ehe, Weihe, Krankensalbung: Berufung, Dienst und Heilung
  • Die Bedeutung der Liturgie und des Kirchenjahres

🙏 5. Das Gebet

  • Das Gebet als Beziehung zu Gott
  • Formen des Gebets (Lob, Dank, Bitte, Fürbitte, Klage)
  • Das Vaterunser und seine Bedeutung
  • Das persönliche und gemeinschaftliche Gebet
  • Einführung in das Stundengebet, den Rosenkranz, Betrachtung der Bibel

📖 6. Das christliche Leben

  • Die zehn Gebote und die Bergpredigt
  • Das Doppelgebot der Liebe
  • Verantwortung für sich selbst, andere und die Schöpfung
  • Soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung
  • Sexualität, Familie, Berufung und Lebensgestaltung aus dem Glauben
  • Umgang mit Leid, Schuld, Tod und Hoffnung auf das ewige Leben

🔥 7. Einführung in das kirchliche Jahr und den Gottesdienst

  • Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten
  • Aufbau der heiligen Messe
  • Zeichen, Symbole und Rituale der Kirche verstehen
  • Feier der Sakramente bewusst miterleben

💒 8. Der Weg der Taufe selbst

  • Die Schritte des Katechumenats:
    1. Aufnahme in den Katechumenat
    2. Zeiten der Vertiefung (Katechese, Gebet, Mitfeier der Liturgie)
    3. Riten in der Fastenzeit (Erwählung, Skrutinien)
    4. Feier der Taufe, Firmung und Eucharistie in der Osternacht
    5. Zeit der Mystagogie – Nachbereitung und Vertiefung des neuen Lebens

 

1. Gott und der Glaube

1. Gott sucht den Menschen

Thema: Am Anfang des Glaubens steht nicht der Mensch, der Gott sucht – sondern Gott, der den Menschen sucht.


1. Gott – Ursprung und Ziel des Lebens

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1,1).
Das ist der erste Satz der Bibel – und er öffnet uns den Blick für das Ganze: Alles Leben hat einen Ursprung, und dieser Ursprung ist Liebe.

Die Bibel beschreibt Gott nicht zuerst als ein abstraktes Prinzip oder als unnahbares Wesen, sondern als den, der erschafft und liebt. Alles, was existiert, ist von ihm gewollt. Auch du bist nicht Zufall, sondern gewollt, geliebt, bejaht.

Im Schöpfungsbericht formt Gott den Menschen „aus Erde und Lebensatem“ (Gen 2,7). Das heißt: Wir sind Teil der Schöpfung – aus Erde gemacht – und zugleich von göttlichem Geist erfüllt. Der Mensch trägt in sich die Spannung zwischen Erde und Himmel, zwischen Endlichkeit und Sehnsucht nach Ewigkeit.

Diese Sehnsucht ist kein Mangel, sondern eine Spur Gottes im Herzen. Augustinus hat das in seinem berühmten Satz zusammengefasst:

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Gott.“


2. Der Gott, der Beziehung sucht

In vielen Religionen sucht der Mensch nach Gott. In der Bibel aber ist es umgekehrt:

Gott sucht den Menschen.

Er geht Adam und Eva nach, als sie sich verstecken: „Wo bist du?“ (Gen 3,9).
Er ruft Abraham: „Verlass dein Land und geh in das Land, das ich dir zeigen werde.“ (Gen 12,1)
Er befreit Israel aus der Knechtschaft und begleitet sein Volk durch die Wüste.

Gott ist also kein ferner Beobachter, sondern ein Gott der Geschichte und der Begegnung. Er geht mit, er ruft, er spricht, er wartet. Seine Liebe ist nicht abstrakt, sondern konkret: sie sucht den Menschen, gerade wenn er sich entfernt.

Im Neuen Testament erreicht diese Suche ihren Höhepunkt in Jesus Christus.
In ihm wird sichtbar, wie Gott wirklich ist: barmherzig, zärtlich, suchend, heilend.

Jesus erzählt Gleichnisse, die genau davon sprechen:

  • Der Hirte lässt 99 Schafe zurück, um das eine verlorene zu suchen (Lk 15,4–7).

  • Eine Frau sucht ihre verlorene Drachme, bis sie sie findet (Lk 15,8–10).

  • Ein Vater läuft seinem verlorenen Sohn entgegen, noch bevor dieser ein Wort der Reue sagt (Lk 15,11–32).

Diese Geschichten sind nicht moralische Lehrstücke, sondern Offenbarungen:
So ist Gott. Er geht uns nach – auch wenn wir ihn vergessen.
Er wartet geduldig – auch wenn wir uns schämen.
Er freut sich über jeden, der sich finden lässt.


3. Der Mensch – geschaffen zur Gemeinschaft

Wenn Gott uns sucht, dann nicht, um uns zu kontrollieren, sondern um Gemeinschaft zu schenken.
Das Bild des Gartens Eden zeigt: Der Mensch ist geschaffen, um in Beziehung zu leben – zu Gott, zu den Menschen, zur Schöpfung.

Doch diese Beziehungen können zerbrechen. Schuld, Angst, Selbstverliebtheit und Misstrauen trennen uns von Gott und voneinander. Die Bibel nennt das „Sünde“. Aber auch hier bleibt Gott nicht fern: Er ist der Gott, der versöhnt.

In der Taufe nimmt er uns wieder ganz in seine Gemeinschaft hinein. Sie ist das Zeichen, dass Gott „Ja“ zu uns sagt – unabhängig davon, was wir geleistet oder verfehlt haben.

Der Weg zur Taufe ist daher kein moralischer Aufstieg, sondern eine Antwort auf Gottes Einladung: Er klopft an, und wir dürfen öffnen.


4. Was das für unseren Glauben bedeutet

Wenn wir verstehen, dass Gott der Erste ist, der sucht, verändert sich unser Bild vom Glauben:

  • Glaube ist nicht Leistung, sondern Antwort.

  • Gebet ist nicht Pflicht, sondern Gespräch mit dem, der uns liebt.

  • Kirche ist nicht Institution zuerst, sondern eine Gemeinschaft derer, die sich gefunden wissen.

Die Frage ist also nicht: „Wie finde ich Gott?“
Sondern: „Wie lasse ich mich von Gott finden?“

Manchmal geschieht das in einer stillen Stunde, manchmal in einer Krise, manchmal durch einen Menschen, ein Wort, eine Begegnung.
Überall dort, wo etwas in dir sagt: Da ist mehr – da ruft mich jemand – dort sucht dich Gott.


5. Ein Gebet

Gott, du Quelle des Lebens,
du hast mich geschaffen und gerufen,
noch bevor ich dich kannte.
Du kennst meine Wege, meine Fragen, meine Sehnsucht.
Öffne mein Herz, damit ich mich von dir finden lasse.
Lass mich spüren, dass du da bist –
in Freude und in Dunkel,
im Alltag und in der Stille.

Du bist der Gott, der sucht.
Ich bin der Mensch, der sich finden lässt.

Amen.


Bibelstellen

  • Genesis 1–2 – Schöpfung und Berufung des Menschen

  • Psalm 139 – „Du hast mich erforscht und du kennst mich“

  • Lukas 15 – Die Gleichnisse vom Verlorenen und Gefundenen


Gesprächsimpulse

  1. Wo habe ich in meinem Leben schon etwas von Gott gespürt – vielleicht ohne es damals so zu nennen?

  2. Wie denke ich über Gott: als Richter, Begleiter, Freund, Geheimnis?

  3. Was heißt es für mich, dass nicht ich zuerst Gott suche, sondern er mich?